Sonntag, 12. Juni 2011

Von wilden Vätern auf vollen Straßen




In Belgien feiert man den Vatertag etwas später als in Deutschland, nämlich am zweiten Sonntag im Juni. Dieses Jahr ein besonders ereignisreicher Sonntag, denn gleichzeitig war Pfingsten und außerdem Erstkommunion in Lillo. Es war schönes Wetter und so beschlossen wir, mal wieder in den Bovypark zu fahren und die Zwerge zu besuchen. Offensichtlich lag unser letzter Besuch schon eine Weile zurück, denn den Zwergenwald gab es nicht mehr – einfach abgeholzt samt Zwerg und Pilz, dafür hatte man neue Buchenschösslinge gesetzt. Offensichtlich fehlt der Gemeinde das Geld zum Unterhalt, denn der Rosengarten wirkte auch sehr verwildert und das frühere Eiscafé am See mit zugehörigem Spielplatz war geschlossen. Also spazierten wir stattdessen ein wenig auf dem Keramikmarkt herum, der jedes Jahr am Pfingstwochenende stattfindet, dochterlief bekam das obligatorische Eis und dann wollten wir uns wieder auf den Heimweg machen. Schon seit ein paar Minuten war uns ein infernalisches Gehupe aufgefallen – nach der Ausfahrt aus dem Parkplatz sahen wir dann auch die Ursache: die Hauptstraße war voll gestopft mit hupenden LKWs, die mit Polizeibegleitung im Konvoi fuhren und keinen PKW dazwischen ließen. Göga bretterte durch ein paar Seitenstraßen und mogelte sich in eine LKW-Lücke, was ein empörtes Hupkonzert auslöste und kurz darauf winkte uns ein Polizist an den Straßenrand. Erklärung gab’s keine, dafür sahen wir ein paar 100m weiter eine Autobahnauffahrt und beschlossen, den Stau großräumig zu umfahren. Pustekuchen, als wir die Autobahn wieder verlassen mussten, waren die ganzen LKW’s wieder da und ein enormes Polizeiaufgebot hielt alle nicht zum Konvoi gehörigen Fahrzeuge zurück. Auch hier gab es keinerlei Auskunft oder Hinweise, was dieser ganze Zirkus eigentlich zu bedeuten hatte. Zu Hause hab ich dann mal gegoogelt. Offensichtlich gibt es hier einen LKW-Verein, der jährlich an Pfingsten ein Festival zu Gunsten der Krebsforschung in Zonhoven organisiert. Am Pfingstsamstag wird getanzt, am Pfingstsonntag gibt es einen LKW-Konvoi. Ist ja an sich ein löbliches Unterfangen, nur wäre es sehr hilfreich, wenn man die Umgebung auch darüber informieren könnte. So ein LKW ist ja schließlich lang genug, um ein Plakat dran aufzuhängen. Vermeidet unnötigen Ärger und könnte sogar neue Förderer für das Projekt schaffen. Aber wahrscheinlich wusste hier auf dem Dorf sowieso jeder, was Sache war und nur wir doofen Ausländer hatten mal wieder nix gepeilt. Nächstes Jahr zu Pfingsten werden wir den Bereich Zolder-Zonhoven jedenfalls weiträumig vermeiden ;-)