Montag, 20. Dezember 2010

Rekordwinter in Belgien

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit dem Autohändler, als wir vor knapp 10 Jahren nach Belgien zogen. GöGa hatte einen Wagen erstanden und erkundigte sich nach Extras, wie z.B. Winterreifen. Der Händler schaute ihn nur völlig verdattert an und meinte: „Wozu? Hier regnet’s doch bloß – der Wagen hat ABS!“ Unsere ersten Winter hier verliefen tatsächlich eher nass als glatt – doch in den letzten drei Jahren waren wir froh über unsere Winterreifen, denn die Winter hier wurden immer härter und immer länger. Das Jahr 2010 brach mit bisher 53 Schneetagen alle Rekorde – 1906 waren 49 Schneetage gezählt worden.

Trotzdem scheinen die zuständigen Behörden diese Tatsache geflissentlich zu verdrängen, denn dochterlief brachte letzte Woche einen Zettel von der Schule mit, indem die Gemeinde mitteilen ließ, dass sie leider wegen der „unvorhersehbar langen Kälteperiode im November“ ihre Streusalzvorräte beinah vollständig aufgebraucht hätte und daher nur noch die Hauptwege streuen könne, außerdem eine Liste mit Straßen, die nicht in ihren Zuständigkeitsbereich sondern den des Landes fielen – frei nach dem Mott, wenn Sie sich beschweren wollen, dann bitte nicht bei uns. Die Straßenverhältnisse sind katastrophal, der Flugverkehr lahm gelegt, Busse und Bahnen haben stundenlange Verspätungen, wenn sie denn überhaupt fahren.
Ich bin heilfroh, dass das Kind zu Fuß zur Schule kann und ihre Nachmittagsveranstaltungen sind vorläufig gestrichen, denn unter diesen Umständen steig ich nur ins Auto, wenn es unbedingt sein muss. Wohl dem, der es sich leisten kann, daheim zu bleiben. Wenn ich dran denke, dass in wenigen Tagen die ganze Weihnachtsreisewelle einsetzt, kann einem ganz anders werden.