Freitag, 20. August 2010

Mal wieder in Antwerpen







Zwei Monate Sommerferien können ganz schön lang werden, v.a. wenn es die ganze Zeit regnet. So entschlossen wir uns am ersten regenfreien Tag, das Sommerticket der belgischen Eisenbahn zu nutzen und fuhren nach Antwerpen. Diesmal ging es ins Plantin-Moretus-Museum, das auf die Druckerei des Christoph Plantin im 16. Jahrhundert zurückgeht und neben den ältesten erhaltenen Druckpressen der Welt auch eine hervorragende Grafiksammlung enthält. Dochterlief war hin und weg, bewunderte die prächtigen Initialen und goldgeschmückten Miniaturen in den ausgestellten Büchern, stand staunend vor den imposanten handbetriebenen Druckpressen und lernte anhand von kurzen Viedeofilmchen den Unterschied zwischen Holzschnitt, Radierung und Kupferstich kennen. Besonders beeindruckt war sie auch von den beiden Bibliotheken und dem kleinen Laden im Erdgeschoss, von dem aus Plantin und später sein Schwiegersohn Moretus Bücher in die ganze Welt verkauften. Ehrfürchtig nahm sie hinter der Ladentheke Platz, um ein wenig humanistischer Buchverkäufer zu spielen – passenderweise rumpelte genau in diesem Moment draußen auf dem Kopfsteinpflaster eine Pferdedroschke vorbei, so dass man sich wirklich ins 16. Jahrhundert zurückversetzt glaubte.
Das Museum ist pädagogisch hervorragend aufbereitet, der Audiogids, den man mit dem Eintritt gratis erhält, liefert gute Informationen, zusätzlich gibt es kurze Beschreibungen bei den einzelnen Objekten, für Kinder gibt es eine Schatzsuche und außerdem können Workshops und Vorführungen der Druckmaschinen gebucht werden. Im Museumsshop sind außer fachspezifischer Literatur auch wunderschöne Kunstpostkarten mit (Blumen)stichen erhältlich.

Soviel Kultur macht natürlich hungrig und so stärkten wir uns mit einer üppigen Portion Frietjes mit süßer Majo in Antwerpens berühmtester Frittenbude, dem Frituur No. 1 an der Hoogstraat 1 kurz hinter der Kathedrale. Auf Kaffee mit köstlichem Gebäck hinterher mussten wir leider verzichten, denn das berühmte Café Popoff am Oude koornmarkt 18 machte Sommerferien. Dafür entdeckten wir hinter der Kathedrale in der Blauwmoezelstraat ein neues buntes Lädchen mit dem schönen Namen Happy Lights, in dem man sich farbenprächtige Lichterketten zusammenstellen kann. Ich hatte jetzt nicht das Bedürfnis, 20 Baumwollkugeln durch den Zug zu schleifen aber falls man mal mit dem Auto nach Antwerpen kommt, ist es sicher eine Überlegung wert.