Donnerstag, 21. Mai 2009

Eine graue Perle für Antwerpen

Letzten Sonntag war es endlich so weit: der lange erwartete Elefantennachwuchs im Zoo von Antwerpen erblickte das Licht der Welt. „Baby K“, wie man es vor der Geburt nannte, da alle in diesem Jahr geborenen Zoo-Tiere einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „K“ erhalten, Baby K ist also ein Mädchen und heißt Kai-Mook, das ist thailändisch und bedeutet „Perle“. Drei Tage lang wurden Mama Phyo Phyo und ihr Kind vor der Öffentlichkeit abgeschirmt, trotzdem konnte man Kai-Mook bereits auf Video auf der eigens eingerichteten Elefantenwebsite bewundern. Somit war also der mehrmonatige Besuch von Zuchtbulle Alexander aus dem niederländischen Amersfoort im Jahre 2007 doch von Erfolg gekrönt.
Kai-Mook ist der erste asiatische Elefant, der in Belgien geboren wurde und dementsprechend gigantisch ist der Medienrummel. Es wurde sogar eigens ein K-Bier kreiert und ein Elefanten-T-Shirt entworfen.
Da wir im Rahmen unsres Bokrijk-Abonnements Freikarten für den Zoo hatten, machten auch wir uns am heutigen Feiertag per Zug auf den Weg nach Antwerpen zum Kindbettbesuch. Leider hatten ziemlich viele Leute die gleiche Idee, der Zug war nämlich bereits in unserem kleinen Kaff so rappelvoll, dass wir mit Müh und Not einen Sitzplatz ergattern konnten. Das lag aber nicht nur am Elefantenbaby, sondern auch daran, dass am gleichen Tag die christlichen Arbeitervereinigungen ein großes Straßenfest in Antwerpen organisierten – praktischerweise auf dem Astridplein direkt vor dem Zoo, so profitierten Arbeiterbund und Elefantenbaby jeweils vom Bekanntheitsgrad des anderen.

Gottseidank hatten wir uns für den frühestmöglichen Zug entschieden und standen somit pünktlich zum Einlass vor dem „ägyptischen Tempel“ – zusammen mit Hunderten von aufgeregten Elefantenfans. Eine gute Viertelstunde lang mussten wir anstehen, bis wir endlich den ersten Blick auf „Baby K“ werfen konnten – zusammen mit der Mama und zwei Tanten wühlte es sich gemütlich durch das Heu im Freigehege, immer dicht an Mamas Riesenstampfer gedrückt. Mehr wie ein paar Minuten war uns aber nicht vergönnt, dann wurde man von der nachrückenden Menge wieder hinausgeschoben. Selbstverständlich wurde uns am Ausgang der „Wöchnerinnenstube“ die bei einer Geburt üblichen Zuckermandeln als „Doopsuiker“ angeboten und im Ausgangsbereich konnte man seine Gratulationskarte abgegeben – wenn man denn daran gedacht hatte, eine mitzubringen. Wir hatten nicht, bekamen aber trotzdem unsere Mandel ;-) Die Tour endete natürlich direkt vor einem eigens eingerichteten Elefantenshop, wo man Elefanten und anderes Viehzeug aus Plüsch, Holz oder Plastik zu exorbitanten Preisen erwerben konnte.

Wir widerstanden der Versuchung und begaben uns stattdessen zur Seehundenschau. Danach war es dermaßen voll, dass man vor lauter Menschen keinen Weg mehr sah, geschweige denn irgendwelche Tiere. Dochterlief bestand noch auf einen Besuch beim Kinderschminkstand, wo sie nach 20 minütigem Anstehen in eine Fee verwandelt wurde, dann verließen wir um 12:00 fluchtartig den Zoo und suchten uns außerhalb ein ruhigeres Plätzchen zum Essen.
Und den nächsten Zoobesuch machen wir nur noch Werktags, Elefantengeburt hin oder her.