
Als ich heute früh den Rollladen hochzog, dachte ich erst, es hätte geschneit: Nachbars Vorgarten war völlig weiß! Bei näherer Betrachtung entpuppte sich das weiße Zeug jedoch als eine Art Kunstschnee mit Konfetti, dazu gab es noch jede Menge Klopapier, Absperrband, Heu, Müll (Cornflakeskartons) und an der Haustür prangte ein Schild mit einer 18 darauf: Sohnemann war 18 geworden und seine Kameraden hatten ihm ein entsprechendes Andenken beschert.
Die merkwürdige Angewohnheit, den Vorgarten zum Geburtstag mit meterweise Klopapier zu „verzieren“ war uns schon früher bei anderen Häusern aufgefallen, aber eine derartige „Baustelle“ hatten wir zuvor noch nie gesehen.
Ich fragte unsre Bauarbeiter, ob das denn hier so üblich sei und was der Sinn und Zweck des Ganzen sei – denn an Schönheit hatte der Garten durch diese Aktion gewiss nicht gewonnen. „Ja, das sei hier so üblich, damit man sich noch lange an diesen Geburtstag erinnere“. Zum 18. gäbe es meist eine Müllhalde, zum 40. oder 50. sogar eine neue Vortür – nein, die alte würde nicht ausgebaut, sondern man bekommt eine neue in den Vorgarten gestellt. Wenn man Pech hat, auch drei oder vier. Und wenn man ganz großes Pech hat, würden die Türen sogar einbetoniert. Sehr beliebt seien auch ganze Wagenladungen von Kron- oder Weinkorken in der Einfahrt. Man sei also auf jeden Fall eine ganze Weile damit beschäftigt, die Bescherung wieder aufzuräumen. Da musste ich dann doch erst einmal schlucken. Und war heilfroh, dass wir unsere Geburtstage hier nie an die große Glocke gehängt haben.
Am Nachmittag erschien dann das „glückliche“ Geburtstagskind mit Schubkarre und Schaufel bewaffnet und machte sich tapfer daran, kiloweise Streukonfetti aus dem Kies zu klauben. Bis zum 18. Geburtstag des kleinen Bruders in zwei Jahren wird er damit wohl fertig sein ;-)