Frühlingszeit ist Babyzeit – das Jahr ist kaum 3 Monate alt, wir haben schon drei Geburtsanzeigen erhalten und zwei Babypartys besucht. In der Vitrine nimmt der Berg an doopsuiker bald nicht mehr stapelbare Ausmaße an. Kennt Ihr doopsuiker?
Das ist hier in Belgien (und so weit ich weiß nur in Belgien) Tradition zur Geburt eines Kindes – jeder Besucher bekommt zum Andenken ein Säckchen mit dem Namen und Geburtsdatum des Neugeborenen, gefüllt mit glasierten Mandeln oder Schokobohnen, eben den doopsuiker.
Ursprünglich wurde dieses Geschenk während der Taufe an die Gäste ausgeteilt, daher auch der Name, der wörtlich übersetzt „Taufzucker“ bedeutet. Für ein Mädchen gab es rosa glasierte Bohnen, für einen Jungen himmelblaue und gestiftet wurde dieses Geschenk von den Taufpaten. Angeblich soll die ganze Geschichte den Windelinhalt eines Säuglings symbolisieren, daher auch der ursprüngliche Name „kakabonen“ – aber ob ich das glauben will, weiß ich nicht.
Jedenfalls gefiel uns die Idee, jedem Besucher ein Andenken mitzugeben und ungefähr 8 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin unserer Tochter machten wir uns also auf den Weg in ein Fachgeschäft für Pralinen & Doopsuiker, um letzteren zu bestellen. Die Bestellung wurde schwieriger als gedacht, denn doopsuiker ist nicht gleich doopsuiker sondern es gibt zig Variationen. Zunächst einmal ging es um die Bohnen selber: Schokolade oder Mandel? Und welche Glasur? Rosa und himmelblau seien völlig out, gedämpfte Töne angesagt, z.B. weiß, beige, hellgrau. Und am allerhippsten gemischt. Na gut. Dann also gemischt. Und Mandeln bitteschön – bei einem Julibaby wollte ich kein Risiko eingehen. Ein doopsuiker, aus dem die geschmolzene Schokolade auf das Festkleid suppt, macht bestimmt keinen guten Eindruck.
Nachdem das also entschieden war, ging es an die Verpackung. Säckchen nehme kein Mensch mehr, schick gefaltete Pappschächtelchen in allen Formen seien jetzt der letzte Schrei. Die freundliche Verkäuferin legte uns einen umfangreichen Katalog vor, dessen Gewicht dem eines durchschnittlichen Neugeborenen entsprach. Mit glasigen Augen blätterten wir uns durch runde Dosen, dreieckige Dosen, ovale Dosen, Dosenwürfel, Dosen mit Deckel, Dosen mit Schleifen, einfarbige Dosen, bedruckte Dosen, Disneyfiguren, Snoopys. Da der Name unserer Tochter „Silber“ bedeutet entschieden wir uns letztendlich für ein Sortiment weißer Dosen in 3 verschiedenen Formen mit silbernem Aufdruck, Silberschleife und Schäfchen bedruckt. Danach mussten wir nur noch entscheiden, wie viel Bohnen in jede Dose sollten und in welcher Umverpackung das ganze angeliefert werden sollte. Denn bei dem stolzen Preis von 2-5€ pro doopsuiker ist die Lieferung ans Wöchnerinnenbett inbegriffen sowie eine thematisch zum gewählten Modell passende Transport- und Präsentationsschachtel. Bei uns war es eine hölzerne Truhe, ich habe aber auch schon Setzkästen, Schlösser und sogar ein Piratenschiff gesehen. Diese Umverpackung ist nur geliehen und muss - je nach Geschäft – 4-6 Wochen nach der Geburt wieder zurückgegeben werden. Bis dahin sollte man seinen doopsuiker tunlichst unter die Leute gebracht haben.
Unser doopsuiker Erlebnis ist schon einige Jährchen her. Und die doopsuiker Mode ändert sich ständig. Zur Zeit sind Bohnen mit aufgedrucktem Namen der letzte Schrei. Wie auf dem Catwalk gibt es eine Winter- und eine Sommerkollektion. Zeigt Dior in Paris Safarilook in Khakifarben, wird auch der doopsuiker wieder kackbraun. Back to the roots, sozusagen.
Und dann gibt es zunehmend mehr Eltern, die ihren doopsuiker selber basteln. Nicht so sehr wegen der Kosten (obwohl das sicher auch eine Rolle spielt), sondern wegen der Individualität. Da wird dann ein Kilosack Mandeln oder Smarties gekauft und in Babysöcken, Miniblumentöpfe, Metallbüchsen etc. gefüllt. Oder die großen Geschwister dürfen eine Verpackung entwerfen.
Fantasie statt Mainstream. Eigentlich eine schöne Entwicklung.
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3 Kommentare:
hallo. tolle geschichte. hat richtig spaß gemacht zu lesen. diese mandeln kennen wir in der schweiz auch, allerdings eher zur hochzeit.
Hi, hab's erst jetzt gesehen - ich glaube, in Italien gibt es auch Mandeln zur Hochzeit aber als Taufgeschenk ist es wohl singulär in Belgien. Wird sicher bald über die Grenzen schwappen - das lassen sich die Konditoren doch nicht entgehen ;-)
Schöne Seite hast Du, schon verlinkt ;-)
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