Donnerstag, 22. Februar 2007

Das Phänomen HEMA

Donnerstags kommt bei uns immer die Werbung. Nein, ich habe keinen „bitte keine Werbung“-Aufkleber an meinem Briefkasten, denn ich will meine Werbung. Vielleicht nicht die ganzen 1,5 kg, aber zumindest einen Teil davon. Denn als Zugereister auf dem platten Land ist man schon ganz dankbar, wenn man auf diese Weis erfährt, wo der nächste Metzger, Schuhladen, Baumarkt etc. zu finden ist.

Meine Tochter ist auch ganz wild auf die bunten Prospekte, denn nachdem Mamas Informationsbedarf gestillt ist, darf sie den Rest zerschnippeln und Kollagen kleben. Besonders beliebt sind die HEMA-Prospekte. Da sind lauter hippe Sachen abgebildet und zudem meist freigestellt – also ideal zum Ausschneiden.
Kennt Ihr HEMA? Das ist eine Warenhauskette aus Holland, letztes Jahr feierten sie 80jähriges Jubiläum. In den 90er Jahren eröffneten die ersten Filialen in Belgien und in Deutschland laufen seit 2003 ein paar Pilotprojekte im Ruhrgebiet. Das besondere ist, HEMA verkauft nur Produkte der eigenen Marke. Schick muss es sein, hipp soll es sein und kosten darf es fast nichts. HEMA ist kein Laden, sondern eine Entdeckung - am Besten, Sie finden es selbst heraus – so der Slogan auf der deutschen Konzernwebsite. Ein Bekannter von mir drückte es prosaischer aus: eine Mischung aus Aldi und Ikea mit dem Charme der Kaufhalle.

Nichtsdestotroz ist HEMA ausgesprochen beliebt. Vielleicht auch deshalb, weil es in Belgien so gut wie keine Warenhäuser gibt. So etwas wie Kaufhof, Hertie, Karstadt oder den niederländischen Bijenkorf (der übrigens wie Hema zur Vendex-Gruppe gehört), wo man Lebensmitteln, Drogeriebedarf, Kleidung, Spielzeug, Elektrogeräte etc. unter einem Dach findet, ist weitgehend unbekannt. Natürlich gibt es die großen internationalen Ketten wie H&M oder C&A, aber die führen eben nur Kleidung. Es gibt Lebensmittelgeschäfte, Schuhgeschäfte, Elektrogeschäfte, Buchhandlungen, Drogeriemärkte, Schreibwarenhandlungen – aber kein Kaufhaus. Bis auf HEMA.

Und bei HEMA kauft alles ein, Oma und Opa, Mama und Papa, Studenten, Schülerinnen, Karrierefrauen, Arbeitslose – denn die Produkte befriedigen offenbar ein Urbedürfnis der Menschheit: das “haben-wollen-und-sich-leisten-können” Syndrom. Eine HEMA-Bodylotion sieht edler aus als die vom Aldi, kostet aber nicht mehr. Die Babymode kommt einen Tick witzger daher als die vom Textiel-Discounter und das ganze andere Drumherum (Fläschchen, Sauger, Stilleinlagen) ist auch gleich erhältlich. Du gehst hin, weil Du ein Teil brauchst und kommst mit 10 Teilen nach Hause – passte so gut dazu und war ja sooo billig. Zu Hema geht man auch, wenn man sich was gönnen will und eigentlich kein Geld dafür übrig hat. Aber für den tollen Lippenstift, den schicken Kerzenständer oder den edlen Kochtopf reicht es halt doch.

Ich gebe es zu: auch in meiner Küche steht ein HEMA-Topf und im Badezimmer leuchten bunte HEMA-Seifen um die Wette. Aber warum auch nicht. Man gönnt sich sonst ja nix.

1 Kommentare:

Jes hat gesagt…

Genauso ist es! Vielen Dank für diesen schönen Text, sehr toll geschrieben!
Es ist immer so: sobald wir irgendwo in NL sind, ab zu Hema! Und da wir demnächst nach Belgien fahren...gut zu wissen, dass es Hema dort auch gibt. Schöne Grüße